[ Version 1.5 ]   5-1
5 Geschäftsmodelle
Thomas Wollschläger
5.1 Kosten
In diesem Kapitel werden Kostenfaktoren benannt, die für den Betrieb eines 
digitalen Langzeitarchivs von Bedeutung sind. Des Weiteren werden Ansätze 
vorgestellt, wie die individuellen Kosten der Langzeitarchivierung (LZA) in ei-
ner Institution ermittelt werden können.
5.1.1  Kostenfaktoren  bei  Einrichtung  und  Unterhaltung  eines 
Langzeitarchivs
Abhängig vom konkreten Langzeitarchivierungskonzept der jeweiligen Ein-
richtung können folgende Kostenfaktoren zu berücksichtigen sein:
Initiale Kosten
•  Informationsbeschaffung über LZA-Systeme
•  Erhebung von Bestand, Zugang und gewünschten Zugriffsoptionen für 
digitale Materialien im eigenen Haus 
5 Geschäftsmodelle
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nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung
5-2
•  Erhebung von vorhandenen Personal- und Technikressourcen im eige-
nen Haus
•  Projektplanung, ggf. Consulting, Ausschreibung(en)
Beschaffungskosten
•  Hardware:  Speichersysteme  und  sämtliche  infrastrukturellen  Einrich-
tungskosten  (Serveranbindungen,  Datenleitungen,  Mitarbeiterrechner 
usw.)
•  Ggf.  Lizenz(en)  für  Software-Systeme  oder  Beitrittskosten  zu 
Konsortien
•  Weitere Aufwendungen: z.B. Anpassungsentwicklungen von Open Sour-
ce Software-Produkten, Entwicklung/Anpassung von Schnittstellen, Er-
stellung von physischen und digitalen Schutzmaßnahmen (auch solche 
aus rechtlichen Gründen)
•  Ggf.  Einstellung  neuer  Mitarbeiter  und/oder  Schulung  vorhandener 
Mitarbeiter
Betriebskosten
•  Dateningest des bisher vorhandenen Materials
•  Dateningest des neu eingehenden Materials
•  Laufende Storage-Kosten
•  Sonstige Dauerbetriebskosten: z.B. Strom, Datenleitungskosten, sämt-
liche  Sicherheitsmaßnahmen,  Backups,  regelmäßige  Wartung(en)  und 
Tests, Software-Upgrades
•  Zukauf von weiteren Speichereinheiten
•  Hard- und Software-Komplettersatz in Intervallen
•  Ggf. laufende Lizenzkosten und/oder laufende Beitragszahlungen bei 
Konsortien
Die konkreten Kosten sind dabei jeweils abhängig von
•  der Zahl und Komplexität der Workflows bei einer Institution
•  der Menge, Heterogenität und Komplexität der zu archivierenden Ob-
jekte und ihrer Metadaten
•  den gewünschten Zugriffsmöglichkeiten und Schnittstellen sowie ggf.
•  den Anforderungen Dritter an die archivierende Institutionen bzw. Ver-
pflichtungen der Institution gegenüber Dritten
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5.1.2 Die Ermittlung von Kosten für die Langzeitarchivierung
Die tatsächliche Ermittlung der Kosten, die auf eine Einrichtung für die Lang-
zeitarchivierung ihrer digitalen Dokumente zukommen, gestaltet sich in der Pra-
xis noch relativ schwierig. Viele LZA-Unternehmungen befinden sich derzeit 
(2007) noch im Projektstatus oder haben gerade mit dem produktiven Betrieb 
begonnen. Daher liegen kaum Erfahrungswerte vor, wie sich insbesondere der 
laufende Betrieb eines solchen Archivs kostenmäßig erfassen lässt. Außerdem 
befinden sich nach wie vor die zunehmende Menge und Varianz insbesondere 
der Internet-Publikationen in einem Wettlauf mit den technischen Möglich-
keiten, die von Gedächtnisorganisationen zur Einsammlung und Archivierung 
eingesetzt werden können.
Einen begrenzten Anhaltspunkt können die angesprochenen Unternehmungen 
zumindest in der Hinsicht liefern, was die Ersteinrichtung eines digitalen LZA 
betrifft. Das BMBF und die DFG haben eine ganze Reihe von solchen Pro-
jekten gefördert, und verschiedene Institutionen haben Projekte aus eigenen 
Mitteln finanziert
1
. Das bisher am umfangreichsten geförderte LZA-Vorhaben 
in Deutschland war das Projekt kopal mit einem Fördervolumen von 4,2 Mio. 
Euro
2
 Diese  Kosten  schließen  die  vollständige  Entwicklung  eines  Archiv-
systems einschließlich Objektmodell, Aufbau von Hard- und Softwareumge-
bungen in mehreren Einrichtungen und mehrjährige Forschungsarbeiten ein. 
Zum Projektende hat kopal allerdings in einem Servicemodell konkrete Kosten 
für den Erwerb eines vollständigen Archivs zum Eigenbetrieb vorgelegt. Wenn 
das kopal-Archivsystem unter Zukauf von Beratung und ggf. Entwicklung ei-
genständig betrieben wird, soll ein Erstaufwand für Hard- und Software eines 
Systems mittlerer Größe von ca. 750.000 € anfallen. Hiervon entfielen 40% auf 
Softwarelizenzen und 60% auf Systembereitstellung und –betrieb
3
. Wiewohl 
solche Angaben nur exemplarisch sein können, kann dennoch davon ausge-
gangen werden, dass die Kosten für die Ersteinrichtung eines LZA-Systems in 
einer Einrichtung einen gewissen Schwellenwert nicht unterschreiten werden. 
Die Zahl der Ansätze, die bisher versucht haben, Modelle für die Betriebs-
1  Siehe dazu die Projektübersicht in der nestor-Informationsdatenbank: <http://www.lang-
zeitarchivierung.de/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&page_id=16> 
2  Vgl. Wollschläger (2007), S. 247.
3  Siehe kopal (2007), S. 2.
5 Geschäftsmodelle
nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung
5-4
kostenermittlung digitaler LZA zu entwickeln, ist begrenzt. Nennenswert ist 
hierbei der Ansatz des LIFE-Projekts aus Großbritannien. „The LIFE Pro-
ject“ war ein einjähriges Projekt (2005/2006) der British Library (BL) in Zu-
sammenarbeit mit dem University College London (UCL) mit dem Hauptziel, 
ein Kostenmanagement für die Langzeiterhaltung elektronischer Ressourcen 
zu entwickeln. Es wurde eine Formel zur Ermittlung der Archivierungskosten 
entwickelt. Manche Fragen mussten noch offen blieben, so war es z.B. bislang 
nicht adäquat möglich, im Rahmen des Projektes die Kosten der Langzeiterhal-
tung von gedruckten und elektronischen Veröffentlichungen zu vergleichen. 
Die Formel lautet: L
T
=A
q
+I
T
+M
T
+Ac
T
+S
T
+P
T
. Dabei stehen die Werte für 
folgende Parameter
4
:
•  L = complete lifecycle cost over time 0 to T.
•  Aq = Acquisition
•  I = Ingest
•  M = Metadata
•  Ac = Access
•  S = Storage
•  P = Preservation
Jeder der Parameter kann weiter in praktische Kategorien und Elemente aufge-
teilt werden. Alle Schritte können entweder, wenn der Prozess direkt kalkulier-
bar ist, als Kostenfaktor berechnet werden oder, wenn nötig, jeweils auch noch 
in beliebig viele Unterpunkte untergliedert werden. So kann die Berechnung 
für die jeweilige Institution individuell angepasst werden. Innerhalb des LIFE-
Projekts wurden zum einen beispielhafte Berechnungen der LZA-Kosten des 
Projektmaterials vorgenommen und dabei  Kosten für „the first year of a digi-
tal asset’s existence“ und „the tenth year of the same digital assets’ existence” 
vergleichbar ermittelt
5
und exemplarisch Kosten pro Speichermenge. Zum an-
deren hat das Projekt die entwickelten Formelwerke zur Verfügung gestellt, so 
dass interessierte Institutionen selbst Berechnungen anhand der Individualpa-
rameter vornehmen können.
Eine bedeutende Frage für die Festlegung der Archivierungsstrategie – näm-
lich  für das eigentliche „Preservation Planning“, die Erhaltungsmaßnahmen 
über die Lebenszeit eines digitalen Objekts – einer Institution ist, ob auf Dauer 
4  Vgl. McLeod/Wheatley/Ayris (2006), S. 6.
5  Vgl. Ebenda, S. 3.
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Migrationen oder Emulationen kostengünstiger sind. Hierzu sind noch keine 
abschließenden Aussagen möglich. Generell verbreitet ist die Auffassung, dass 
Migration der kostengünstigere Weg sei. Innerhalb von LIFE wurden dazu An-
sätze formuliert, die jedoch hauptsächlich sehr exemplarische Migrationen be-
handeln und noch nicht repräsentativ sind
6
. Andere Studien kommen dagegen 
zu dem Schluss, dass Emulationen auf längere Sicht kostengünstiger seien: 
While migration applies to all objects in the collection repetitively, emulation applies 
to the entire collection as a whole. This makes emulation most cost-effective in cases 
of  large collections, despite the relatively high initial costs for developing an emulation 
device. When considering the fact that only small fragments of  digital archives need to 
be rendered in the long run, it may turn out that from a financial perspective emulation 
techniques will be more appropriate for maintaining larger archives
7
.
Da die bestehenden Langzeitarchive gerade erst dabei sind, die ersten „echten“ 
Maßnahmen von Preservation Planning umzusetzen, wird hier auf Erfahrungs-
werte zu warten sein, die entsprechende Ergebnisse unterstützen können.
5.1.3 Konsequenzen für die Gedächtnisorganisationen
Angesichts der zu erwartenden nicht unerheblichen Kosten für die Ersteinrich-
tung eines LZA-Systems dürften kleinere Einrichtungen nicht umhin kommen, 
zwecks Einrichtung eines solchen Systems mit anderen Institutionen zu koope-
rieren bzw. sich einem bestehenden System anzuschließen und/oder sich den 
Zugang dazu über Lizenzen zu sichern. Selbst größere Institutionen werden für 
die Einrichtung eines LZA-Systems oft kooperative Formen wählen, um hohe 
Ersteinrichtungskosten, die sich sonst nicht auf mehrere Schultern verteilen 
lassen, zu vermeiden. Ebenso könnte angesichts der noch bestehenden Unsi-
cherheit, wie sich künftig die Kosten für den Dauerbetrieb des Langzeitarchivs 
und das Preservation Planning entwickeln werden, die Entscheidung zugunsten 
der Variante ausfallen, sich in bestehende Systeme einzukaufen oder über kos-
tenpflichtige Lizenzen Teilnehmer an einem kommerziell ausgerichteten Sys-
tem zu werden. Letzteres macht in der Regel Zugeständnisse an die gewünschte 
Preservation Policy notwendig, so dass eine Gedächtnisorganisation abwägen 
muss, welche Kosten – Lizenzen für ein kommerzielles System oder eigene 
Entwicklungskosten, z.B. für die Anpassung von Open Source Software – die 
jeweils lohnendere Investition ist.
6  Vgl. Ebenda, S. 10.
7  Zitiert nach Oltmans/Kol (2005), #5 – Conclusion.
5 Geschäftsmodelle
nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung
5-6
Die  Teilnahme  an  kooperativen  Formen  der  Langzeitarchivierung   ist un-
ter Kostenaspekten in jedem Fall empfehlenswert. Hierbei können Instituti-
onen über z.B. gemeinsame Speichernutzung bzw. gegenseitiges Backup, ge-
genseitige Nutzung von Entwicklungsergebnissen, gemeinsame Adressierung 
übergreifender  Herausforderungen  oder kooperative Verwaltung von  Open 
Source Software Synergien schaffen und erhebliche Ressourceneinsparungen 
ermöglichen.
Literatur
Kopal (2007):  kopal: Ein Service  für die Langzeitarchivierung digitaler In-
formationen. Projekt kopal (Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs 
digitaler Informationen), 2007 (s. < http://kopal.langzeitarchivierung.de/
downloads/kopal_Services_2007.pdf>)
McLeod, Rory / Wheatley, Paul / Ayris, Paul (2006): Lifecycle Information for 
E-literature : A summary from the LIFE project ; Report Produced for the 
LIFE conference 20 April 2006. LIFE Project, London (via <http://www.
ucl.ac.uk/ls/lifeproject/> or directly under <http://eprints.ucl.ac.uk/ar-
chive/00001855/01/LifeProjSummary.pdf>)
Oltmans, Erik / Kol, Nanda (2005): A Comparison Between Migration and 
Emulation in Terms of Costs. In: RLG DigiNews, Volume 9, Number 2, 
15.04.2005 (<http://www.rlg.org/en/page.php?Page_ID=20571>).
Wollschläger, Thomas (2007): kopal – ein digitales Archiv zur dauerhaften Er-
haltung unserer kul-turellen Überlieferung. In: Geschichte im Netz : Praxis, 
Chancen, Visionen ; Beiträge der Tagung .hist2006, Berlin: Clio-online und 
Humboldt-Universität zu Berlin, 2007, S. 244 – 257 (Historisches Forum 
10 (2007), Teilband I). 
Siehe außerdem die Einträge in der nestor-Informationsdatenbank zum Thema 
„Kosten” unter <http://nestor.sub.uni-goettingen.de/nestor_on/browse.
php?show=8>.
[ Version 1.5 ]   5-7
5.2 Service- und Lizenzmodelle
In den wenigsten Fällen werden Langzeitarchivierungssysteme von einer ein-
zigen Institution produziert und genutzt. Schon bei einer zusätzlichen Nutzer- 
oder Kundeninstitution für das hergestellte und/oder betriebene Archivsystem 
müssen Lizenz- oder Geschäftsmodelle aufgestellt sowie Servicemodelle für zu 
leistende Langzeitarchivierungs-Dienstleistungen definiert werden.
5.2.1 Lizenzmodelle
Lizenzkosten fallen in der Regel für die Nutzung kommerzieller Softwarepro-
dukte an. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen können sol-
che Produkte lizenziert und eigenständig in der eigenen Institution eingesetzt 
werden. Dabei ist die Hersteller- oder Vetriebsfirma neben den (einmalig oder 
regelmäßig) zu zahlenden Lizenzgebühren zumeist durch Support- und Up-
dateverträge mit der Nutzerinstitution verbunden. Beispiele hierfür sind etwa 
das System Digitool der Firma Exlibris
8
oder das DIAS-System von IBM
9
.
Zum anderen besteht aber bei einigen Produkten aber auch die Möglichkeit, 
dass eine Betreiberinstitution (die nicht identisch mit dem Hersteller oder Sys-
temvertreiber sein muss) das Archivsystem hostet und eine Nutzung für Dritte 
anbietet. Hierbei werden Lizenzkosten meist vom Betreiber auf die Kunden 
umgelegt oder fließen in die Nutzungskosten für die Archivierung ein. Ein Bei-
spiel hierfür ist das insbesondere auf die Archivierung von e-Journals ausge-
richtete System Portico. Hierbei erfolgt eine zentrale, an geografisch auseinander 
liegenden Orten replizierte Archivierung. Die Kosten von Portico richten sich 
für eine Bibliothek nach dem verfügbaren Erwerbungsetat. Der jährliche Bei-
trag für die Nutzung des Systems kann daher je nach dessen Höhe zwischen 1% 
des Erwerbungsetats und maximal 24.000 US-$ liegen
10
.
Neben den kommerziellen Produkten gibt es eine Reihe von Open Source 
– Lösungen im Bereich der Archivierungssysteme. Durch die Nutzung von 
8  Siehe <http://www.exlibrisgroup.com/digitool.htm>
9  Siehe <http://www-05.ibm.com/nl/dias/>
10  Vgl. <http://www.portico.org/libraries/aas_payment.html>
5 Geschäftsmodelle
nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung
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Open Source – Lizenzen
11
fallen oft keine Lizenzgebühren bzw. –kosten für 
die Nutzerinstitutionen an, sondern zumeist nur Aufwands- und Materialkos-
ten. Zudem sind Archivinstitutionen, die eine Open Source – Software oder 
ein Open Source – Netzwerk nutzen, dahingehend gefordert, durch eigene 
Entwicklungsbeiträge  das  Produkt  selbst  mit weiterzuentwickeln
12
. Beispiele 
für verbreitete Open Source – Lösungen sind das System DSpace
13
und die 
LOCKSS- bzw. CLOCKSS-Initiative
14
. Die LOCKSS-Technologie will die lang-
fristige Sicherung des archivierten Materials dadurch sicherstellen, dass jedes 
Archivobjekt mit Hilfe des Peer-to-Peer-Prinzips bei allen Mitgliedern gleich-
zeitig gespeichert wird. Jedes Mitglied stellt einen einfachen Rechner exklusiv 
zur Verfügung, der im Netzwerk mit den anderen Mitgliedern verbunden ist 
und auf dem die LOCKSS-Software läuft.
Neben der Nutzung reiner kommerzieller Lösungen und reiner Open Source 
– Lösungen gibt es auch Mischformen. Dabei kann es von Vorteil sein, nur 
für Teile des eigenen LZA-Systems auf kommerzielle Produkte zurückzugrei-
fen, wenn sich dadurch beispielsweise die Höhe der anfallenden Lizenzkosten 
begrenzen lässt. Andererseits erwirbt man mit vielen Lizenzen zumeist auch 
Supportansprüche, die etwa bei geringeren eigenen Entwicklungskapazitäten 
willkommen sein können. Ein Beispiel für eine solche LZA-Lösung ist das ko-
pal-System. Hierbei wird das lizenz- und kostenpflichtige (modifizierte) Kern-
system DIAS verwendet, während für den Ingest und das Retrieval die kosten-
freie Open Source – Software koLibRI zur Verfügung gestellt wird
15
Eine Institution muss somit abwägen, welches Lizenzmodell für sie am vor-
teilhaftesten ist. Kommerzielle Lizenzen setzen den Verwendungs- und Ver-
breitungsmöglichkeiten  der  Archivsysteme oft enge Grenzen. Open Source 
– Lizenzen bieten hier in der Regel breitere Möglichkeiten, verbieten aber ggf. 
die Exklusivität bestimmter Funktionalitäten für einzelne Institutionen. Hat sie 
ausreichende Entwicklungskapazitäten  und  Hard- bzw.  Softwareausstattung, 
11  Siehe hierzu v.a. < http://www.opensource.org/licenses>
12  Vgl.  hierzu  insbesondere  das  Kapitel  „Kostenrelevante  Eigenschaften  einer 
ungewöhnlichen
Organisationsform“, in: Lutterbeck/Bärwolff/Gehring, S. 185 – 194.
13  Siehe <http://www.dspace.org/>
14  Siehe <http://www.lockss.org/>
15  Siehe <http://kopal.langzeitarchivierung.de/index_koLibRI.php.de>.
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kann die Nutzung von Open Source Lösungen ein guter und gangbarer Weg 
sein. Dies gilt beispielsweise auch, wenn sich die Institution als Vorreiter für 
leicht nachnutzbare Entwicklungen sieht oder im Verbund mit anderen Ein-
richtungen leicht konfigurierbare Lösungen erarbeiten will. Hat sie jedoch nur 
geringe Enwicklungsressourcen und decken die kommerziellen Lizenzen alle 
benötigten Services ab, so kann trotz ggf. höherer Lizenzkosten die Wahl kom-
merzieller Produkte bzw. von standardisierten Services seitens LZA-Dienstleis-
tern angeraten sein. 
5.2.2 Servicemodelle
Wie bereits dargestellt, bestehen die entscheidenden Faktoren für die Entschei-
dung einer Institution für bestimmte Lizenz- und Geschäftsmodelle in den von 
ihr benötigten Services zur Langzeitarchivierung
16
. Entscheidungskriterien für 
die Wahl der Einrichtung und/oder Nutzung bestimmter LZA-Services kön-
nen sein:
Auftrag und Selbstverständnis
•  Liegt ein (z.B. gesetzlicher) Auftrag vor, dass die Institution digitale Do-
kumente eines bestimmten Portfolios sammeln und (selbst) langzeitar-
chivieren muss?
•  Gilt  dieser  Auftrag  auch  für  Materialien  Dritter  (z.B.  durch 
Pflichtexemplarregelung)?
•  Hat die Institution den Anspruch oder das Selbstverständnis, LZA-Ser-
vices selbst anbieten oder garantieren zu wollen?
•  Liegt eine rechtliche Einschränkung vor, Materialien zwecks LZA Drit-
ten zu übergeben?
Ausstattung und Ressourcen
•  Hat die Institution die benötigte Hardware- und/oder Softwareausstat-
tung bzw. kann sie bereitstellen, um LZA betreiben zu können?
•  Tritt die Institution bereits als Datendienstleister auf oder ist sie selbst 
von Datendienstleistern (z.B. einem Rechenzentrum) abhängig?
•  Stehen genügend personelle Ressourcen für den Betrieb, den Support (für 
externe Nutzer) und für nötige Entwicklungsarbeiten zur Verfügung?
•  Lassen die Lizenzen des genutzten Archivsystems / der Archivsoftware 
16  Selbstverständlich spielen auch die technischen Möglichkeiten des eingesetzten Archivsys-
tems  selbst eine  wesentliche Rolle. Einen  Kriterienkatalog zur  technischen  Evaluierung 
von Archivsystemen bietet z.B. das Kapitel Software Systems for Archiving bei Borghoff, S. 221 
– 238.
5 Geschäftsmodelle
nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung
5-10
eine Anbindung Dritter an die eigene Institution zwecks LZA zu?
Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet werden, stehen für die Wahl des 
Servicemodells potentiell viele Varianten zur Verfügung. Diese drehen sich im 
Wesentlichen um die folgenden Konstellationen:
•  Die Institution stellt einen LZA-Service (nur) für digitale Dokumente 
aus eigenem Besitz bereit.
•  Die Institution stellt diesen LZA-Service auch für Dritte zur Verfügung.
•  Die Institution stellt selbst keinen LZA-Service bereit, sondern nutzt die 
Services eines Dritten für die Archivierung der eigenen Daten.
Dabei ist jeweils zusätzlich und unabhängig von der Frage, welche den Service 
an sich anbietet, relevant, ob die Daten bzw. respektive die Hardware-/Storage-
Umgebung von der Service-Institution selbst oder von Dritten gehostet wird. 
Beispielsweise kann eine Institution verpflichtet sein, selbst einen LZA-Service 
anzubieten. Dennoch mag der Umfang des jährlich anfallenden Materials den 
aufwändigen Aufbau einer solchen Hardware-/Storage-Umgebung sowie ent-
sprechender Betriebskompetenzen nicht rechtfertigen. Hier könnte die Institu-
tion entschieden, zwar einen LZA-Service aufzubauen – und ggf. sogar Dritten 
über ein entsprechendes Geschäftsmodell anzubieten –, das Datenhosting je-
doch an einen geeigneten Dienstleister abzugeben. Ein Beispiel für ein solches 
Servicekonzept ist das kopal-Projekt. Die Hauptmandanten betreiben zwar ge-
meinschaftlich das Archivsystem kopal und stellen ihre Dienstleistungen (zu-
meist kleineren) Nutzerinstitutionen zur Verfügung, die eigentliche Datenhal-
tung wird jedoch bei einem Rechenzentrum betrieben, wo die gemeinschaftlich 
genutzte Hardware zentral gehostet und per Fernzugriff genutzt werden
17
.
Zu den einzelnen Dienstleistungen, die im Rahmen eines LZA-Service-Mo-
dells von einer Institution angeboten werden können, gehören beispielsweise 
folgende:
•  Der Betrieb des LZA-Systems und Annahme von Archivmaterial
•  Durchführung von Erhaltungsmaßnahmen (von Bitstream-Preservation 
bis zur Migration von Material)
17  Siehe kopal (2007), S. 1-2.
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